DIY: Jeanshose(n) am Hosenboden flicken

Wie im letzten Beitrag versprochen, folgt heute mal wieder eine „Reparatur-Anleitung“. Beide meine Jeans hatten (an der jeweils exakt gleichen Stelle) am Hosenboden ein kleines Löchchen, sodass ich sie so zumindest nicht auf der Arbeit tragen konnte.

 

Nun möchte man meinen, das Kind (also ich) hat ja jetzt eine feste und gute Stelle, da müsse eine neue Jeans doch glatt drin sein. Allerdings hasse ich shoppen! Ich hasse diese Einkaufshöllen, das Licht, die Bedudelung. Mag sein, dass ich es hasse, weil ich nie etwas passendes finde (bis auf die beiden Jeans, die ich wirklich schon Jahre habe!). Mag sein, dass ich es hasse, weil ich früher lange auf eine Jeans sparen musste. Mag sein, dass ich es hasse, seit dem ich weiß, welche Ressourcen für eine Jeans benötigt und unter welchen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Mag sein, dass ich es hasse, weil ich die Auswirkungen der Baumwollplantage kenne. Mag sein, dass ich es hasse, weil ein im Herzen drin doch ein kleiner geiziger Schwabe bin. Welcher Grund es auch immer sein mag, Fakt war: ich mag meine Jeans, sie passen mir und wegen dieser kleinen Löchlein wollte ich sie noch lange nicht für andere Projekte zerschneiden oder gar in die Tonne werfen! Zumal die Löchlein jetzt nicht unbedingt an einer sehr prominenten Stelle sitzen…

Exkurs: Der Weg einer Jeans…

… heißt ein heute sehr beliebtes Unterrichtsbeispiel für Globalisierung. Eine Jeans hat, bis sie zu im Laden zum Verkauf angeboten wird, über 30.000km – 50.000km (je nach Quelle) in den „Knochen“. Der Transport benötigt natürlich sehr viel Erdöl und ist für eine große Menge an Kohlendioxid verantwortlich. Der Anbau der Baumwolle benötigt gewaltige Mengen an Wasser für die Bewässerung und viele Chemikalien, die zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, gelangen in die Böden, in das Grundwasser und in die Luft. Die Flüsse nahe der Färbereien sind tote Flüsse, weil dort die überschüssigen und ausgewaschenen Reste der giftigen Farbstoffe eingeleitet werden. Neben den Umweltverschmutzungen hat die Jeansherstellung auch negative Konsequenzen für die Arbeiter, meist Frauen und Kinder: Viele erkranken aufgrund der ungesunden Arbeitsbedingungen. Und dabei verdienen die Arbeiter kaum was. Schätzungen gehen davon aus, dass die Arbeiter weniger als 1% vom Verkaufspreis der Jeans als Lohn erhalten. (Quelle) Nein, da will ich nicht mitmachen!

Ein Anruf bei Muttern (Mütter müssen doch wissen, wie man sowas flickt!) brachte mir ein eher demotivierendes „Naja, probier’s halt“ ein. Die Internetrecherche brachte mich aber dann zu folgendem Beitrag, und ich fand das Flick-Ergebnis sehenswert. Also habe ich die Nähmaschine ausgepackt, nach einem farblich einigermaßen passenden Garn geschaut und los gings.

Aus einer anderen Jeans, bei der Hosenboden komplett durch und die Jeans mittlerweile auch schon zu eng war, habe ich einen Flicken geschnitten und diesen mit Stecknadeln innen befestigt. Und zwar so, dass die schöne Seite des Flicken nach außen zeigte, also links auf rechts: 

Jeans innen: Jeansflicken mit Stecknadeln fixiert


Mit einem elastischen Zickzackstich habe ich dann außen und innen an der Jeans im möglichst rechten Winkeln zur Struktur mehrmals auf und ab (Rückwärtstaste der Nähmaschine verwenden!) genäht. Dabei immer etwas unterschiedlich weit. Aber weit genug, damit „gesundes“ Gewebe mitgenäht wurde: 

Zum Abschluss habe ich (nur noch außen) mit einem geraden Stick in Strukturrichtung der Jeans genäht. Dabei ist es wichtig, dass man unterschiedlich weit näht, damit das Feld nicht direkt erkennbar ist. Und voila: Fertig und tragbar! 

Ich bin mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Auf den Bilder ist der Farbkontrast zwischen Jeans und Garn (warum auch immer) deutlich höher als in Wirklichkeit. Die geflickte Stelle fällt optisch nur auf, wenn man weiß, dass geflickt wurde. Das Stückchen ist fester  und unstabiler als der unbeschädigte Stoff, aber an der Stelle macht das (zumindest mir) nichts aus.

Ich kann dieses Jeans-Flicken wirklich jedem empfehlen. Ich bin weder eine gute noch geübte Näherin und habe (meiner Meinung) nach ein passables Ergebnis erbracht und das für keine 20 Minuten Arbeitszeit. (Und die zweite Jeans ging noch schneller von der Hand). Das Shoppen hätte deutlich länger gedauert und gefunden hätte ich doch nichts. Und dabei habe ich auch noch Unmengen an Ressourcen, Giftstoffen und Müll vermieden. Eine totale Win-Win-Win-Win-Situation. Nur die Modeindustrie hat wohl zwei weniger verkaufte Jeans zu vermelden… Das tut mir aber kein bisschen Leid! 😉

Also, Lieblingsjeans nicht aufgeben, sondern 20 Minuten opfern! Es lohnt sich und die Umwelt sowie der Geldbeutel bedanken sich!

 

PS: ich möchte noch kurz auf meine Buchverlosung aufmerksam machen, die noch bis zum Freitag, 26. Februar um 23:59 Uhr läuft…

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6 Antworten zu DIY: Jeanshose(n) am Hosenboden flicken

  1. Hallo!

    Ich finde es ganz super, dass Du Deine Hose auch flickst, statt sie wegzuwerfen!

    In den letzten Monaten habe ich ganz viele Hosen von meinem Sohn geflickt und unter anderem auch eine Anleitung auf meinem Blog geschrieben, weil er fast das selbst Problem hatte wie Du.

    Nachdem mir das Reparieren so am Herzen liegt, habe ich vor etwas mehr als einem Jahr eine Linkparty eröffent, sie heißt „fix it – reparieren ist nachhaltig“.

    Vielleicht hättest Du Lust, Deinen heutigen Beitrag dazu zu verlinken? Hier kommt der Link zur aktuellen Linkparty. Einfach die Seite anklicken und dann den türkischen Button mit dem Frosch. Dort brauchst Du nur die Internetadresse von diesem Beitrag eingeben.

    https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/2016/02/01/fix-it-reparieren-ist-nachhaltig-11/

    Würde mich freuen, ich freue mich, wenn meine Sammlung wächst!

    lg
    Maria

  2. christianehoffmann schreibt:

    Ich finde das klasse – und habe mit der gleichen Methode auch eine ganze Reihe von Jeans geflickt. Das lustige: Kein Mensch bemerkt es! Ich hatte z.B. eine geflickte Jeans an einem Wochenende an, das wir gemeinsam mit Freunden zusammen verbracht haben. Das ganze Wochenende haben wir zusammen gespielt, gegessen etc. Keiner hat es gemerkt, dass meine Jeans geflickt war – ich habe extra gefragt 🙂

    • Ica schreibt:

      Danke! ich frage besser mal nicht nach, wobei immer meine Mutter meinte, es sei ganz gut geworden. Und für einen Schwaben ist „net g’meckert g’lobt g’nug!“

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