Zeit statt Zeug – zieht das auch bei Kindergartenkindern?!

Ostern ist grade vorbei und da kommt die Olle mit nachhaltigem Schenken an. Na toll. Das liegt zum einen daran, dass schon viele Blogs dazu geschrieben haben. Und zum anderen, dass wir das Glück haben, weder zu Ostern noch zu Weihnachten groß Geschenke machen zu müssen. Lediglich die Kinder bekommen bei uns in der Familie eine Kleinigkeit. Und so hatten wir das „Glück“ lediglich ein Kindergartenkind beschenken zu müssen.

Das Prinzip „Zeit statt Zeug“

Das Prinzip ist ziemlich simpel: statt Dinge wird gemeinsame Zeit verschenkt! Auf die Idee bin ich auf der Suche nach einem nachhaltigen Geschenk auf dieser Internet-Seite gestoßen. Dort wird auch erklärt, warum „Zeit statt Zeug“ schenken nachhaltig ist: zum Einem müssen keine Dinge produziert werden, was also Ressourcen schont, Energie spart und auch fragwürdige Arbeitsbedingungen außen vor lässt. Für den Beschenkten ist es nachhaltig, haben doch zwischenzeitlich einige Wissenschaftler mit Studien beweisen können, dass soziale Kontakte (also gemeinsam verbrachte Zeit) glücklicher machen als Konsum. Zumindest dauerhaft. Ich bin ganz fest der Überzeugung, dass eine Investition in die Gesundheit nachhaltig ist. Das lasse ich jetzt einfach so stehen, ohne auf die Gründe des Wieso und Warums einzugehen. (Falls ihr das anders seht, teilt mir das gerne mit einem Kommentar mit!) Auch ist es doch heutzutage oft so, dass die meisten schon alles haben, was sie brauchen oder worüber sie sich freuen könnten. (Und für die Dinge, die sie erfreuen könnte, hat man meist – so wie sie auch – nicht das nötige Kleingeld…) Das, was uns aber doch allen irgendwie fehlt, ist Zeit. Meiner Meinung nach macht das diese Geschenke besonders wertvoll, weil man schöne Zeit miteinander verbringt und fernab von jedem Stress ist (oder zumindest sein sollte). 

Beispiele für „Zeit statt Zeug“-Geschenke

Die Internetseite zeit-statt-zeug zeigt einige Beispieleideen, die man so übernehmen und als Karte ausdrucken kann. Auch gibt es eine Blanko-Variante, in die man seine eigene Idee eintragen kan. Ich selbst mag so ausgedruckte Karten nicht. Meist bastel ich selbst welche, die dann nach Möglichkeit auch etwas mit dem Geschenke-Thema zu tun hat. Um Ideen zu finden oder für Leute, die Basteln eher nervenaufreibend als beruhigend finden, ist die Seite aber gold wert. Wir haben bisher sehr erfolgreich Brunches, Wanderungen, Konzert- und Stadionbesuche verschenkt. Die Geschenke gingen alle an -zumindest dem Gesetz nach- erwachsenen Menschen und kamen allesamt gut an. Mein großer Bruder hat dieses Geschenkprinzip zwischenzeitlich übernommen und schenkte mir zum Geburtstag ein gemeinsames veganes Essen gehen, damit er „meine“ Welt mal kennen lerne. Meinem Zwillingsbruder schenkte er einen Männerabend. Und ich glaube, ich spreche auch für meinen Zwilling, wenn ich sage, dass das bisher das beste Geschenk war und keine noch so gute DVD kommt an diese wertvolle Zeit ran.

Zeit statt Zeug und Minimalismus

Ein weiterer positiver Nebeneffekt dieser Geschenkidee ist für mich, dass ich keine Dekogegenstände, Bücher, DVDs oder ähnliches daheim stehen habe, die ich dauernd abstauben muss, aber doch irgendwie nicht meinem Geschmack entsprechen. Aber da es ja Geschenke waren, kann man sie ja doch irgendwie schlecht weggeben. Ich denke, so geht es nicht nur mir, sondern ging es bestimmt auch schon vielen, die ich (mit Büchern oder DVDs oder oder) beschenkt habe. Ein Zeit statt Zeug Geschenk kann nicht unlieb in der Ecke stehen. Gut, man sollte aufpassen, dass man den Geschmack des Beschenkten trifft. Wenn ich meinem Vater einen Opernbesuch geschenkt hätte, hätte er mich wohl zur Adoption freigegeben.

Und mögen Kinder das auch?!

Da das Kinderzimmer des Kindergartenkinds aus allen Nähten platzt, für Kindergarten alles vorhanden ist, kein Bedarf an Kleidung oder ähnlichem besteht und das Kindergartenkind gerne Zeit mit uns verbringt, haben wir in Absprache mit den Eltern einen Besuch in den naheliegenden Wildpark geschenkt. Nun, Kindergartenkinder sind ja meist nicht so gut im Lesen, aber irgendwie muss man das ja verdeutlichen. Also habe ich versucht mit einem Bild das Geschenk zu verdeutlichen. Ich habe auf die Köpfe der Personen das Gesicht von uns (also Kindergartenkind, Herr des Hauses und meins) geklebt, für das Foto allerdings nicht. (Möchte hier ja auch keine fremden Kinder auf dem Blog fotografisch darstellen).

  
Das Bild wurde gefalten, in einen bunten Umschlag gesteckt und dann gab es ein nachhaltiges zero waste Osternest dazu. (Mit ganz wenig Süßigkeiten, Wunsch der Eltern, Leid des Kindergartenkindes…)  

Und wie hat das Kindergartenkind nun reagiert?

Über die wenigen Süßigkeiten war man etwas entrüstet, das Bild schaute man erstmal skeptisch an. Die Köpfe fand man lustig und verstand dann ganz schnell, wer damit gemeint war. Die Mama las noch das Schild vor und die Kinderaugen wurden etwas größer. Auch wenn das Kindergartenkind noch nicht ganz begriffen hat, was das eigentliche Geschenk ist, freut sie sich doch sehr auf den gemeinsamen Tag im Wildpark. Und ich freue mich drauf, dass der Herr des Hauses nach dem Tag mit Kindergartenkind wohl fix und fertig sein wird. 🙂 Ich denke, dass wir bei diesem Kindergartenkind auch zukünftig so verfahren werden. Mal schauen, ob wir dann noch Lieblingsongo und Lieblingstante sind. 🙂

Und so beschenken wir ganz heimlich zero waste, vegan und nachhaltig unsere Lieben. Und drücken damit allen anderen unsere verrückten Werte auf. Wir sind ja ganz schön böse…

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9 Antworten zu Zeit statt Zeug – zieht das auch bei Kindergartenkindern?!

  1. Esther schreibt:

    🙂 herrlich! So drücken wir das auch anderen aufs Auge. Und unter uns, ich finde es wirklich viel anstrengender einen Tag mit den lieben Kleinen oder Großen zu verbringen als ein Buch bei Amazon auszuwählen und mit Karte verschicken zu lassen. Bei der kostbaren freien Zeit bin ich extrem geizig mit Zeit. Das lernen die meisten Leute aber erst mit den Jahren schätzen. 🙂 Einen schönen Tag! Esther

    • Ica schreibt:

      Das ist definitiv anstrengender! Und da die freie Zeit so rar ist, sind diese Zeit-Geschenke so viel wertvoller als ein Buch… LG

  2. dontplastic schreibt:

    Sehr schön, ich freue mich auch immer, wenn meine Kinder solche Geschenke bekommen und animiere auch gerne die Verwandschaft bei entsprechenden Ereignissen Ausflüge zu schenken oder Karten für den Indoor-Spielplatz, so wie zu diesen Ostern 😉

    • Ica schreibt:

      Schön, wenn dann die Verwandtschaft mitzieht. Ich hab oft das Gefühl, dass das viele nicht als richtiges Geschenk sehen und grade Großeltern oft das Gefühl haben, etwas zum „Anfassen“ verschenken zu müssen…

  3. Nicole schreibt:

    Tolle Idee! Wenn ich sehe was Kinder in der heutigen Zeit für GeschenkBERGE bekommen, kann ich nur noch den Kopf schütteln. Ein paar Weihnachten zurück saß das Kindergartenkind von Bekannten weinend vor den Geschenken, weil es total überfordert war mit all den Paketen…..
    (In meiner Schultüte waren Stifte, ne Brotbox, Apfel und Süßkram. Heute ist die Schultüte „Deko“ und Zuhause stehen Markenschuhe, Xbox Spielkonsole & Co….)

    • Ica schreibt:

      Danke! Ja, ich denke auch, dass viele Kinder mit den Geschenken überfordert sind. Aber wie man das ändern kann, weiß ich auch nicht so wirklich 😦 LG

      • Nicole schreibt:

        Werbung für „Zeit statt Zeug“ machen 😉

        Ich glaub Eltern müssen sich einfach mal bewusst machen was sie ihren Kindern „antun“. Ansonsten denkt niemand um =/

      • Ica schreibt:

        Ich bleib bei der Werbung 🙂 ist erstmal einfacher und als nicht-Eltern darf ich da wohl eh nicht mitreden. Muss es später selbst erstmal anders machen…

      • Nicole schreibt:

        Zu den (noch) Nicht-Eltern gehöre ich auch 😉

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